Viña Ijalba: Im Auftrag der Vielfalt

Tasting bei Viña Ijalba, Logroño

Im Auftrag der Vielfalt

Die Weine von Viña Ijalba haben wir auf einer Fachmesse lieben gelernt: klare Charaktere in Aroma und Struktur (auch Weißweine!), wunderschöne Ausstattung, alles bio – und seltene, unbekannte Rebsorten. Einigen Tropfen sind wir sofort verfallen: Rioja mal ganz anders! Höchste Zeit also für einen Besuch.

Gerade mal zwei Kilometer raus aus Logroño, der Hauptstadt der Rioja, und schon knirschen unsere Reifen auf der Kiesvorfahrt: rechts ein repräsentatives Gemäuer mit Türmchen, links schon ein erster Weingarten. Hübsche Rosenstöcke als Indikatorpflanzen, das kennen wir schon, aber die Rebenreihen dahinter wirken anders: heterogen, irgendwie ungleichmäßig. „Ja, das ist richtig,“ Weinmacher Pedro Salguero Aznar klärt uns auf: „denn vor uns stehen über 100 verschiedene Rebsorten.“ Es handele sich um eine Testpflanzung aus den 90ern, bestockt vom Gründer der Bodega, Dionisio Ruiz Ijalba, in Zusammenarbeit mit der Universidad La Rioja.

Tempranillo – und sonst nichts?
Schon 1990 setzt fast die ganze Rioja auf Tempranillo: frisch und fruchtig mit gefälligen Beeren-Aromen, dank Tannin und Säure sehr gut alterungsfähig und vor allem: seeehr ertragsstark. Doch die beliebte Rebsorte zeigt auch Schwächen: die Pflanzen zeigen Klimastress, werden in manchen Böden kaum älter als 30 Jahre.

Als engagierter Umweltschützer liebt Dionisio die Vielfalt, die Biodiversität. Zusätzliche Rebsorten müssen her – aber welche? Was harmoniert mit Boden und Klima? Wie reagiert die Pflanze auf die zunehmenden Wetter-Extreme, auf Hitze und Wassermangel? Und was gedeiht denn bitteschön auch ohne diese Massen an Fungiziden, Insektiziden, Herbiziden?

Am besten, man gründet sein eigenes Weingut. Dann kann man sich auch ordentlich mit solche Fragen beschäftigen. Hier, in der Bodega Viña Ijalba, legt Dionisio 1992 zusammen mit Önologen der Universidad La Rioja seinen Testgarten an: neben internationalen Pflanzen werden auch uralte, fast vergessene Rebsorten sowie neue natürliche Mutationen getestet.

Aromatische Ausrufezeichen
Im Jahr 2026 ist Dionisio leider Geschichte. Aber seiner Familie hinterlässt er die weltweit erste Bodega, die reinsortige Weine aus Tempranillo Blanco, Maturana Blanca, Graciano und Maturana Tinta produziert, nachhaltig und ökologisch. Diese Rebsorten bilden auch heute die Seele des Projektes Ijalba: Der Ertrag ist zwar wesentlich geringer – aber aromatisch setzen sie Ausrufezeichen.

Charaktervolle Weißweine aus der Rioja
Auch heute wird in der Rioja noch zu 88 % Rotwein aus Tempranillo gekeltert – bei weltweit rückläufigen Rotwein-Konsum. Der Trend geht eindeutig zu Weißwein, und hier ist die Rioja bisher nicht so stark aufgestellt. Da freut es uns ganz besonders, das Ijalba mit seinen weißen Tempranillo und Maturana zwei herrlich geschmeidige, frische und charaktervolle Weißweine anbietet – beides autochtone Gewächse der Rioja!

Reisende: Gudrun Heinen & Guido Zech  |  Autor: Guido Zech